Wie sagte doch so schön einst Kostolany: „Wenn die Dummen kommen, soll man gehen.“ Überträgt man diese Börsenweisheit auf facebook, so könnte man schlussfolgern, wenn die breite Masse beginnt, eine Plattform zu erobern, hat sie ihren Zenit meist überschritten. So war es mit Myspace, mit den VZs und nun anscheinend auch mit facebook. Dies haben nunmehr auch schon die sonst gern auf Übertreibungen bauenden Spekulanten (VCs genannt) erkannt und scheinen sich langsam zurückzuziehen:
Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, werden einige Anteilseigner nervös. Ihre Sorge: Das Unternehmen könnte überbewertet sein. Eine Gruppe von Aktionären wolle Dividendenpapiere des weltweit größten Online-Netzwerkes schleunigst loswerden, schreibt die Agentur.
Wer sich seit längerem mit sog. Social Communities beschäftigt, kann folgendes Phänomen beobachten:
Zuerst werden neue, hippe Sites von den sog. Innovatoren (i.d.R. einflussreiche Blogger, Stars etc.) besiedelt. Diese ziehen, ähnlich der hippen Clique einer Stadt Freunde mit in die neue Disco. Solange alles neu, hipp und trendy und irgendwie auch noch IN ist in dem Sinne, dass es nicht alle machen, so bleiben auch die Innovatoren. Und ganz wichtig – es muss natürlich kostenlos sein. Macht dann ein neuer Club in der Stadt auf – sprich eine neue Community, die noch hipper ist oder noch hippere Leute als Innovatoren hat, so wandern zunächst die Innovatoren dorthin ab und es folgen mit einiger Verzögerung auch die Laggards. Die alte Community / die alte Disco blutet langsam aus und die Neue füllt sich. So vormals mit Myspace oder StudiVZ geschehen. Wie man im letzteren Fall sieht, kann dies durchaus ein wenig dauern. Die erhoffte Monetarisierbarkeit bleibt jedoch in jedem Fall aus. Ich nenne es das Disco-Phänomen.
Gerade die neueren Fälle der unerträglichen Spamattacken bei Facebook, der relativ hohe Clickpreis bei Werbeschaltungen im Vergleich zu bspw. Google Adwords gepaart mit den scheinbar nicht so qualitativ hochwertigen Filterkriterien aufgrund der Interessen, lässt oftmals Werbetreibende mit Falten auf der Stirn zurück. Lohnt sich Werbung bei Facebook überhaupt? Haben wir hier nicht eine amorphe Masse vor uns, die zwar Interessen hinterlegt hat, die aber genauso beliebig scheinen wie die über 500 Tsd. Guttenberg-Freunde, die dann, als es hart auf hart kam und man sich aus dem Sofa erheben musste, zuhause geblieben waren?
Ich denke die Bewertung von 80 Mrd. US$ bei einem hochgerechneten Jahresgewinn von 473 Mio. US$, was einem Multiplen von 169 !! entspricht, muss erst gerechtfertigt sein. Reines Nutzerwachstum in der Geschwindigkeit der Vergangenheit dürfte ausgeschlossen sein. Es gilt also nun zu beweisen, dass man die Massen auch monetarisieren kann. Und gerade dies erscheint zweifelhaft. Werden also diejenigen, die die „Blase“ erzeugt, gehegt und gepflegt haben, auch diejenigen sein, die die Blase zum Platzen bringen? Genug verdient? Es hat fast den Anschein, wenn man den Spiegel-Artikel aufmerksam liest!