Alles neu bei allesnebenan.de? Panik auf der Titanic?

Die Deutsche Post hat den Auftrag zur Überarbeitung des Suchportals allesnebenan.de an die Digitalagentur People Interactive vergeben. Die Kölner setzten sich in einem Pitch gegen vier Wettbewerber durch. Durch den Relauanch soll das Portal eine attraktivere Oberfläche erhalten.

Auf allesnebenan.de finden Nutzer Einzelangebote, Prospekte und Coupons von Einzelhandelsketten, Baumärkten, kleinen Läden oder Dienstleistern in ihrer Umgebung. Die Angebote können von den Usern außerdem bewertet und empfohlen werden. All dies soll künftig mit vereinfachter Nutzerführung und in einem vernbesserten Design möglich sein.

Mit dem Redesign des Portals möchte die Post Usability und Nutzwerte der Seite für den Nutzer verbessern. People Interactive soll hierzu das Frontend, die Nutzerführung und das Konzept der Seite einer Frischzellenkur unterziehen. ire

Tjo, da fragt man sich, wenn man mal so im Alexa Ranking schaut – ein letztes Aufbäumen, ein Verzweiflungsakt oder ist man mit dem Kooperationspartner Anschlusstor nicht mehr zufrieden?

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Da erscheint das im Vergleich wesentlich später gestartete Start-Up Nahklick geradezu raketenartig davon zu ziehen. Vielleicht sollte man bei der Deutschen Post mal generell die Politik des Outsourcens und der falschen Partner überdenken!?

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Anschlusstor und allesnebenan.de – was wird hier gemessen? Was gehört hier wie zusammen?

Zufällig bin ich bei dem Aufrufen der Seite von allesnebenan darauf gestoßen, dass sehr viele Informationen zu einer Firma namens Anschlusstor gesendet werden:

Könnte es sich dabei um ein Tracking handeln? Aber warum liegen dann auch Bilder bei Anschlusstor? Und was wird hier getrackt? Bannerwerbung existiert keine auf der Seite. Also vermuten wir doch eher das Nutzerverhalten. Leider konnte uns die Deutsche Post auf Nachfrage keine Auskunft geben.

Ein wenig Recherche lässt interessantes zum Vorschein kommen – die Anschlusstor selbst stellt sich nach außen als Vereinsnetzwerk für den Amateursport dar. Die Geschäftsführer sind identisch mit den Geschäftsführern der Tochtergesellschaft AT Network. Diese sind wiederum Geschäftsführer von Groupon. Eine Recherche beim Handelsregister ergibt nunmehr, dass bei Anschlusstor der European Founders Fund namhaft beteiligt ist. Nachtigall ich hör Dir trapsen.

Hat die Deutsche Post das nötig? Magdjagd.de

Also manchmal verwundert es einen doch, zu welch grenzwertigen Mitteln nicht einmal „große“ Unternehmen zurückschrecken, um Traffic im Vorgarten der Konkurrenz zu ergattern. Selbst mit einem markenrechtlich wohl kaum schützbaren Markennamen „allesnebenan.de“ an den Start gegangen, nutzt man nun phonetische Ähnlichkeiten aus, um Traffic bei der Konkurrenz zu angeln. Oder wie soll man es verstehen, dass sich die Deutsche Post die Domain „magdjagd.de“ gesichert hat und auf allesnebenan.de weiterroutet!?

Die Ähnlichkeit zum allseits geschätzten Prospekt- und Produktportal „marktjagd.de“ ist frapant und ich muss schon sagen – es ist ein Schelm wer Böses dabei denkt oder?

Post übernimmt Nugg.ad – sinnvoll?

Wie heute die Medien, wie die ftd, berichten hat die Deutsche Post als weiteres Standbein im Online Bereich neben allesnebenan.de den Predictive Behavioral Targeting Spezialisten Nugg.ad übernommen.

Dazu sei kritisch folgendes angemerkt:

– das Predictive Behavioral Targeting von Nugg.ad basiert auf einer Cookie Technologie. Sprich es werden Daten zum Wiedererkennen des Users in einem Cookie aus seinem Rechner gespeichert. Dies hat den Nachteil, dass er somit dem Einfluss des Nutzers ausgesetzt ist und durch die diversesten neuen Browser entsprechend regelmäßig gelöscht wird.

– des Weiteren werden Cookies mehr und mehr kritisch gesehen und sind seit längerem im Visier der EU – hierzu schrieb ich bereits im November:

Bei der EU steht eine Richtlinie in den kommenden Wochen vor der Absegnung, die viele Unternehmer im Internet vor erhebliche Herausforderungen stellen dürfte. So soll beschlossen werden, dass Cookies nur noch nach vorheriger Einwilligung des Webseiten Nutzer gespeichert werden dürfen. So heißt es in Artikel 5 Absatz 3 der entsprechenden Richtlinie (deutsche Fassung):

“Die Mitgliedstaaten stellen sicher, dass die Speicherung von Informationen oder der Zugriff auf Informationen, die bereits im Endgerät eines Teilnehmers oder Nutzers gespeichert sind, nur gestattet ist, wenn der betreffende Teilnehmer oder Nutzer auf der Grundlage von klaren und umfassenden Informationen, die er gemäß der Richtlinie 95/46/EG u. a. über die Zwecke der Verarbeitung erhält, seine Einwilligung gegeben hat. Dies steht einer technischen Speicherung oder dem Zugang nicht entgegen, wenn der alleinige Zweck die Durchführung der Übertragung einer Nachricht über ein elektronisches Kommunikationsnetz ist oder wenn dies unbedingt erforderlich ist, damit der Anbieter eines Dienstes der Informationsgesellschaft, der vom Teilnehmer oder Nutzer ausdrücklich gewünscht wurde, diesen Dienst zur Verfügung stellen kann.”

Sobald diese Richtlinie verabschiedet wurde, haben die EU-Staaten 18 Monate Zeit, dies in nationales Recht zu übernehmen. Stirbt der Cookie somit in seiner jetzigen Form in 18 Monaten?

Das betrifft mehrere Bereiche des Internets, die nicht unwesentlich sind:

– Werbung/Advertising
– Partnergeschäft / Affiliate
– Webanalyse / Webcontrolling

Firmen wie Wunderloop, Nugg.ad etc. werden also künftig in Probleme geraten.

In diesem Sinne bleibt, neben dem bislang eher bescheidenen wirtschaftlichen Erfolg von Nugg.ad

der Deutschen Post zu wünschen, ob Sie hiermit ein glückliches Händchen bewiesen hat. Der Marktführer Wunderloop war ja nach sich ziehender Insolvenz erst spät von einem Amerikaner gerettet worden. Aber auch hier gilt – wenn der Preis entsprechend niedrig war, kann es ja funktionieren 😉

Die Post als Online Vorreiter!?

Die Post möchte als zertifizierter Reseller u.a. von Google mit seinem Werbemanager dem Klein- und Mittelstand (KMU) die Nutzung regionaler Onlinewerbung ermöglichen.

Wie wir finden per se eine gute und längst überfällige Idee. Nur ob die Deutsche Post hier die entsprechende Credibility und Historie mitbringt, möge der Kunde entscheiden. Wichtig ist jedoch, das die Deutsche Post entgegen vieler anderer die Zeichen der Zeit erkannt hat!